4. Hüttenseminar im Tann zu Tunhovd – Das Camp 2010

Anno 2010 trafen sich vom 24.06. bis 28.06. Roberto,  Stephano, Don Mikele aus Dresden und Sebas zum letzten Mal im Tann zu Tunhovd, um das Camp 2010 zu leben – ganz im Zeichen der Fussball-WM in Südafrika.

Nigeria-Connection

Es gibt sie in vielen Varianten, vorwiegend im virtuellen Netz; wichtig klingende Namen fragen nach deinem Geld, welches auf ein vorgegebenes Konto überwiesen werden soll, um es später – mit einem Aufschlag –  wiederzubekommen. Beim Bezahlen des Autoparkplatzes in Oslo-Gardermoen mit meiner Kreditkarte gab es die übliche Warteschlange. Vor mir, ein feiner Herr mit negriden Gesichtszügen. Er bezahlte, nahm seine Karte – den Passierschein – und ging. Ich tat ihm gleich, bis eine fast unscheinbare Hand nach meiner Kreditkarte im Automaten griff und mich fragte, ob das nicht seine wäre. Der feine Herr im Zwirn lächelte mich an, sah das TNT in meinem Gesicht explodieren und zog die Hand schnellstmöglich wieder zurück. Ein typischer Fall für das (fast) sichere Auftreten der Nigeria-Connection.

Ein Camp, viele Spiele, ein neu aufgelegter Klassiker von 1966, sommerliche Temperaturen rund um Eisloch (der Fjord), Edelfood und multimediales Nomadentum: ein hochinteressanter Mix, der uns alles, aber auch alles abverlangte. Wir reisten, wieder vollbeladen mit unserem Camp-Wagen, von Oslo-Gardermoen Richtung Nesbyen, um dort im einheimischen Supermarkt Schrimps, Wasser und norwegisches Øl zu kaufen; wichtige Zutaten, um unserer internationalen Küche ein wenig lokalen „Touch“ zu geben. Im Supermarkt entdeckte ich eine mir bis dahin gänzlich unbekannte Spezie: der Ølumschichter – ein Mann, im Wahn die perlige Suppe  zu bändigen. Ich fragte ihn, ob er wüßte, wo der Artikel X, also kein Øl, zu finden wäre. Fast lallend, in feinstem Nordnorgisch, kam seine Antwort daher „…er mache nur in Øl, bei den anderen Waren ist er sich nicht sicher.“ Klar, oder?

Gegen 17:00 Uhr wurde dann endlich das Camp aufgeschlosssen, ein sofortiger Test des einäugigen Monsters (TV) auf Satellitenempfang – mit Schwerpunkt Sportkanäle –  vorgenommen und auf Fussball getunt. Vini, fini e comuni…und die Spiele liefen. Das Camp 2010 im Tann zu Tunhovd war eröffnet.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Eröffnung Tunhovd - Das Camp 2010 - Stephano und die Leinwand

1. Spieltag, Donnerstag

Am späten Nachmittag kündigte sich die zweite Überraschung in Südafrika ab: Weltmeister Italien verlor sein letztes Gruppenspiel gegen die Slowakei mit 2:3, schied aus und reihte sich damit in die Liga der berühmten aber überbewerten Fussballnationen ein. Les Bleus, die Franzosen, waren schon zwei Tage früher an Südafrika gestolpert und diese Chuzpe wurde national als auch international belächelt, bedauert als auch betrauert. Wie konnte so etwas nur passieren? Das Ausscheiden der Squadra Azzurra – dem Weltmeister von 2006 –  liess dageben nur eine Lächesperre zu, da mit unterirrdisch gespielten Fussball kein Titel zu verteidigen ist.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Don Mikele und Sebas Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto beim Boot(en)

Während Don Mikele, Roberto und ich auf der Veranda hähmisch, aber doch nachdenklich über den unrühmlichen Abgang beider Teams nachdachten, ließ Stephano keine Zweifel aufkommen, wie man eine Grille zubereitet. Sorgfälltig wurden alle Zutaten gemischt, auf das Grillrost gelegt, mit Salat, Gurke, Käse und Ketchup dekoriert: Le TunhovdQuarterPounder – ein wahrliches Kraftpaket.

2. Spieltag, Freitag

Tunhovd erwachte – in diesen Nordlagen wird es ja nicht wirklich dunkel -, und die Stadtnomaden bereiteten sich auf den 2. Spieltag im Camp 2010 vor. Mutigen Schrittes wagte sich Roberto als erster in das kühlende (eisige) Nass des Fjordes. So richtiges Beach-Feeling wollte dabei aber nicht aufkommen.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto und Sebas am Fjord Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto, Don Mikele und Sebas am Fjord

Der Tag verlief nordisch ruhig – keine Aufregung, keine Termine, nur wenige Telefonate -, Entspannung pur. Kulinarische Wegweiser wurden ebenfalls wieder ausgelegt: ausgenommenene Doraden, mit Rosmarin und Knoblauch gespickt und auf dem Grill zubereitet.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Don Mikele an den Doraden Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto und Sebas

Portugal gegen Brasilien (0:0) am Nachmittag. Chile gegen Spanien (1:2) am Abend.

3. Spieltag, Samstag

Uruguay gegen Nord-Korea (2:1) am Nachmittag. USA gegen Ghana (1:2) am Abend.

4. Spieltag, Sonntag: der Klassiker

An diesem Tag stand viel auf dem Spiel, eine Wiederholung des WM-Klassikers von 1966, Deutschland gegen England, welches diesjährig 4:1 für Deutschland endete. Argentinien gegen Mexiko (3:1) am Abend.

Zum Spiel gab es Schweinebraten, zubereitet von Roberto. Kartoffelsalat mit geräucherter Kveite (Heilbutt), zubereitet von Don Mikele.

Bei der schieren Masse an Fussball, sei an dieser Stelle eine fast vollständige Sonette angemerkt, aufgeschrieben von Thomas Gsella:

Wär‘ der Ball zehn kleine runde
Scheiben und die elf ein Mann,
und man spielte Stund‘ um Stunde,
bis der Gegner nicht mehr kann;

wär‘ es klug, je drei der Kleinen
so zu legen, daß der Feind
nicht mehr weiß, wohin mit seinen,
und sein Spiel verloren scheint;

wär‘ der Rasen ganz aus Pappe,
und man brauchte Tisch und Stühle:
Dann wär’s nicht Fußball sondern Mühle.

Abfiff, aber die Spiele gehen weiter, so auch die kommenden Hüttenseminare – nur der Tann  zu Tunhovd wird uns nicht mehr zur Verfügung stehen. In 2011 wechseln wir die Lokation und ziehen, in Norge verbleibend,  Richtung Süden.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto, Stephano, Don Mikele und Sebas

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