2. Hüttenseminar im Tann zu Tunhovd

Impossibilities are good
Not to attach that label to;
Since, correctly understood,
if we wanted to, we would
be able to be able to (by Piet Hein, Grooks III, 1970)

Glamourama am Tunhovdfjord

Vom 31.07. bis zum 04.08.08 trafen sich alte und neue Freunde zum 2.Hüttenseminar. Dabei waren Sebas, Timo, Roberto, Turbo, Michi und Stephan. Wie immer, alle nachfolgenden in Klammern vorliegenden Texte sind Kommentare von Turbito im Rahmen eines gemischten Doppels.

Die Fahrt zur Hütte wurde auf Donnerstag Vormittag angesetzt, um einen zusätzlichen Tag zu gewinnen. Stephan schlug sein Zelt schon am Mittwoch an der Hütte auf, da er mit seinem Motorrad von Deutschland über Schweden angereist war; er war die ganze Zeit „on the road“. Zu fünft machen wir uns also von Oslo-Gardermoen auf den Weg. [Vor Fahrtantritt wurden die ersten Hülsen gelehrt, schlaucht ja auch ganz schön, so ein 100 Minuten-Flug. Da die Wahl des Gefährtes dieses Mal eine Nummer kleiner ausfiel, war der Ritt zum Fjord nicht ganz so komfortabel wie im Jahr davor … ein Grund mehr, sich mit den erstaunlich schnell zur Neige gehenden Biereinkäufen die Fahrt etwas angenehmer zu gestalten.]

Strahlender Sonnenschein war unser ständiger Begleiter. Timo hatte sich auch sofort bereit erklärt, Fahreratze für die gesamte Tour zu spielen. Wie immer an dieser Stelle – Respekt, 4 h Fahrt in Norge sind nicht einfach. [Den Dank möchte ich wiederholen, thumbs up ! ]

Natürlich sollten unsere kulinarischen sowie multi-medialen Vorlieben auch dieses Mal nicht zu kurz kommen, so hatte ich in Oslo 3 kg Elch gekauft und einen Projektor von meiner Firma mitgebracht – Glamourama am Fjord, so wollten wir es. Während der Fahrt entwickelten sich Michi, Turbo und Sebas zu echten Biervernichtungsmaschinen. Der Hopfensaft lief in Strömen, [… Wer hätte das gedacht ! So schnell wie die Brühe in den gierigen Schlund lief, hätten wir sie gar nicht nachkaufen können; nächstes Mal muß die Hinfahrt mit in die Planung für die Getränkeliste einbezogen werden.] endlos waren die Gespräche, vielfaches Kopfschütteln beim Fahrer über die Themenauswahl. [Echt, wir hatten wirklich irgendwelche Themen ??? ]

Nur Roberto wurde von Morpheus umarmt und schlief fest an der Schulter von Michi. In Nesbyen angekommen, fuhren wir an den dortigen Einkaufsmarkt heran und kauften Verpflegung für die nächsten Tage. In den Augen meiner Freunde konnte ich das Entsetzen über die hiesigen Preise sehen, ohne daß sie auch nur mit dem Finger darauf zeigten. Nach anfänglichem Zögern wurde der Wagen aber bis oben vollgepackt. Hoch oben auf dem „hohen Wagen“ kamen noch 2 Forellen und 3 kg Schrimps. Sogar beim Bier konnten wir uns einigen – das dänische Tuborg bekam den Vorzug gegenüber den meisten norwegischen „Badreinigern“. [Den Geschmack vom üblichen Norge-Bräu habe ich noch vom letzten Jahr in Erinnerung – auch nach dem dritten Liter ungenießbar ! ]

Roberto war in der Zwischenzeit auch aufgewacht. Unser Auto wurde bis zum Äußersten vollgepackt und wir machten uns auf den Weg, die letzten 30 km bis zur Hütte zu fahren. An der Hütte angekommen, sahen wir schon die “Triumph” von Stephan stehen. Glücklich vereint konnte das 2.Hüttenseminar endlich losgehen. [Nachtlager zuteilen, Gepäck umräumen und nicht zu vergessen: weiteren Raubbau an den Ølreserven zu betreiben – *Schulz !* ]

In den nächsten Tagen sollte unsere Welt einem riesigen Open-Air-Kasino gleichen, das durch vier Gesetze gesteuert wird, die sich Franz Kafka ausgedacht haben könnte:

  1. Es ist unmöglich, gegen den Wettergott in Norge zu gewinnen.
  2. Es ist unmöglich, seinen Einsatz zu bewahren, alles muss raus oder rein.
  3. Es herrscht Spiel- und Redezwang.
  4. *Schulz !*

Endlich sahen wir auch den Unterschied zum letzten Jahr, wo der Fjord soviel Wasser führte, dass der Strand nicht mehr erkennbar war. [Nun ja, nicht wirklich Strand im herkömmlichen Sinne, also wie in “The beach”, aber doch immerhin knapp 2 Meter grobkieselige Uferfläche … ein echter Bonus ! Ein weiteres Plus war die Wassertemperatur, die letztes Jahr bei 13°C lag und beim Betreten des Gewässers die magische Grenze auf Höhe des Pillemanns nur zögerlich überwinden lies; letztens dürften es um die 18°C gewesen sein … also schon weitaus angenehmer und selbst bei bedecktem Himmel noch zum Plantschen einladend.] So saßen wir am Strand, aßen Schrimps auf Brot mit Majonaise und Dill, ließen Getränke rotieren, welche ideal zum Strandleben passten und versuchten, mit kleinen Steinen den Fjord zu füllen, eine wahnwitzige Idee, welche aber mehrere Stunden andauerte.

Der “Hüter des Feuers” machte sich später ans Werk und fing wieder klein an, doch schon bald loderte ein riesiges Feuer vor der Hütte. Schnell wurden auch zwei Bäume ausgemacht, wo die Leinwand für das Waldkino aufgespannt wurde. Ebenfalls, als wenn es genau dafür gebaut wurde, fanden wir eine Möglichkeit,  den Projektor zu positionieren, um das perfekte Bild zu erzeugen. Kabel wurden verlegt, Stecker wurden zurechtgeschnitten [Remember: “Strom is unter‘m Tisch !”] Boxen aufgestellt und die Frage nach der Wahl des Filmes ins Spiel gebracht. Einige wagten sich vor und plädierten für die Auferstehung der 60iger Jahre. Andere priesen eine Milieustudie aus dem Raum Würzburg an mit 2 Restaurantbesitzern, welche sich erfolgreich im Buiz behaupten. Diese Auswahl überzeugte alle und so konnte es losgehen – Waldkino am Tunhovdfjord. [Die Idee und deren Ausführung waren echt perfekt ! Da hatte selbst der nordische Wettergott keine Einwände … ich denke mal, der saß mit auf der Veranda und dachte sich “Habta jut jemacht !” … zumindest für den nächsten Tag konnte man darauf schließen, denn da zeigte sich der Herr von seiner besten Seite.]

Into the Dojo

Der nächste Tag brachte viel Sonne und wir fanden unseren Weg zum Strand…into the Dojo…unserer Versenkungs-Halle am Fjord… [… Wozu sollte ein Dojo mit Mauern umgeben sein – “Offene Weite, …”]

Zeit der Erweckung, [… oder doch nur ein genüßliches Abmatten am Ufer ? Irgendwie beides.]

Zeit der Träume, Zeit zum Genießen, Zeit nicht zu verwechseln mit Zeitverschwendung.

[… „Ich wünsche Dir Zeit –
nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge Dir übrigbleiben
als Zeit für das Staunen
und Zeit für Vertraun‘ ,
anstatt nach der Zeit
auf der Uhr nur zu schaun.“] (Auszug, Autor (mir) unbekannt)

Der Hüter des Feuers konnte die Finger vom Zündeln nicht lassen und die Lohe erwachte schon früh am Morgen und sollte bis zum späten Abend nicht ausgehen. Wie soll man diesen Tag beschreiben? Kann es etwas Schöneres geben, als einen Text zu nehmen, sich an die Musik erinnern und einfach sein, ganz einfach sein mit dem Tag am Fjord…

…denn du spürst das Gras
hier und da bewegt sich was
es macht Dir Spass
nein es ist nicht nur das
denn nach dem öffnen aller Türen
steht am Ende der Trick des Endes
der Suche durch das Finden im Augenblick
Du atmest ein Du atmest aus
dieser Körper ist Dein Haus
darin kennst Du Dich aus
Du lebst
Du bist am Leben
und das wird Dir bewußt
ohne nachzudenken
nur aufgrund der eigenen Lebenslust
das Gefühl das Du fühlst
sagt Dir es ist soweit
es ändern sich Zustand
der Raum und die Zeit
der Verstand kehrt zurück
doch Du setzt ihn nicht ein
jeder Schritt neues Land
wird das immer so sein?
Du spürst die Lebensenergie
die durch Dich durchfließt
das Leben wie noch nie in Harmonie und genießt
es gibt nichts zu verbessern
nichts, was noch besser wär
außer Dir im Jetzt und Hier
und dem Tag am Fjord
und dem Tag am Fjord…(Fantastischen Vier – Der Tag am Meer)

[ … Sahen einen Vogel in Ufernähe …
sahen einen Falter umherschwirren …
sahen, wie sich deren Wege kreuzten …
sahen die Vereinigung der beiden –
blieben Eins.
Der Vogel wird seine Mahlzeit verdaut haben …
und WIR ?! ]

Die Auswahl des Filmes für das abendliche Waldkino war nicht schwer. Wir mussten keine Münze werfen, wie es der überzeugende, durchgeknallte Protagonist im Film tat. Falls ihr später in eine Situation kommen solltet, wo Euch jemand in ein Gespräch verwickelt und dann eine Münze zieht und gleichgültig „Call it!“ sagt, dann seid vorsichtig in der Wahl von Kopf oder Zahl. Der Film schreddert und fetzt, es stinkt, strömt, schwallt und ergießt sich, spritzt und penetriert – raus aus der Versenkung. Aufbauend auf dem Buch von Cormac McCarthy lässt sich nur sagen, dass die Grundlage wohl an einem Morgen entstanden sein muss, wo der Autor aus unruhigen Träumen aufwachte, um festzustellen, Franz Kafka zu sein. Das mag schlimm sein, aber große Kunst entsteht dadurch in jedem Fall.

[Ganz böser Streifen, vor allem der Haarschnitt der Hauptfigur bereitete Albträume. Und: werfen wir nicht ständig in Gedanken unsere Münzen, um eine Entscheidung herbeizuführen ? Kopf oder Zahl – linker oder rechter Weg – Mahlzeit verdaut ? ]

Elchtest und White Hawk Down

Der nächste Tag war durchwachsen. Mal regnete es, dann wieder Sonnenschein, dann wieder Regen, noch mehr Regen, wie der norwegische Wetterdienst es angekündigt hatte. Gegen späten Nachmittag war auch das Elchpaket aufgetaut. Mariniert mit Wacholder, Rosmarin, Knoblauch, Lorbeer, Grov-Sennep (der beste Senf kommt wirklich aus Norge) und den anderen “üblichen Verdächtigen” wurde das Paket in mehrere Lagen Alufolie eingewickelt und der Glut übergeben. Zwischenzeitlich kamen Michi und Timo vom Einkauf wieder, es musste mehr Øl und Wasser herangeschafft werden. Des Weiteren erstand Timo seinen ersten Heli, komplett ferngesteuert, ganz in Weiß – Männerspielzeug im Tann. So wurde die Terrasse kurzum in eine Start-und Landezone umfunktioniert, von der aus der “White Hawk” zu Erkundungsflügen in das umliegende Feindesland aufbrach, vielmehr aufbrechen sollte, denn es geschah alles ganz anders. Der “White Hawk” hob von der Terrasse ab und steuerte ziellos umher. Nach wenigen Minuten geschah das Unerwartete: White Hawk down, White Hawk down, I repeat White Hawk Down !!! Die mangelnde Erfahrung des Piloten mit seinem neuen Fluggerät lies den Heli in sein Verderben stürzen, direkt ins Zentrum des von von ihm am Lodern gehaltenen Feuers.

Die schnelle Eingreiftruppe konnte Schlimmeres verhindern und so wurde aus dem weißen Falken ein angebrannter Falke, der aber immer noch flog, etwas mehr „Trimming“ war aber schon nötig.

Stephan kam nach zwei Stunden vom angeln, oder eher warten, in voller Motorradmontur, vom Fjord wieder. Wieder nichts gefangen, wie auch, denn so klar das Wasser auch ist, Leben scheint sich nur oberhalb des Fjords abzuspielen. Ein Angler mehr, der sich überzeugen lassen mußte, daß es sich beim Tunhovdfjord um das toteste Gewässer jenseits des Polarkreises handelt.

Nach knapp drei Stunden mit aufwendigen „heißen“ Wendemanövern war es soweit, der Elch konnte getestet werden; serviert mit Rosmarin-Kartoffeln, Preiselbeeren und Salat wurde die Küche zum Viel-Sterne Restaurant erklärt. Alles war arrangiert, alles war da, die kurzzeitige Stille am Tisch (über)zeugte vom großen Geschmack des Wildes. Wir waren uns einig, dass low-budget cooking etwas ganz Wunderbares ist.

Strandglamourama

Wetter wie aus dem Bilderbuch vom Herbst; Regen, Regen und ein wenig Regen … hin und wieder kurz die Sonne. Nachdem der Regen am Nachmittag gänzlich nachließ, machten wir eine kleine Wanderung entlang der Westseite des Fjordes. Überall waren Spuren vom letztjährigen Hochwasser zu sehen, abgeknickte Bäume, angeschwemmtes Treibgut, weggerissene Ufer. [Das hatte schon was Urtümliches, Wildes an sich, ganz wie es sich für einen Flecken Natur gehört, der noch nicht begradigt, umzäunt und betoniert wurde … wahrhaft schönes Nordland !]

Dann sahen wir ihn, den Ausweichdrehort für den Film „The Beach“, idyllisch gelegen am Tunhovdfjord. Nach unbestätigten und sehr inoffiziellen Berichten zufolge, sollte hier gedreht werden, falls es Probleme in Thailand geben sollte. Was für Probleme eigentlich? Aber wie gesagt, alles sehr inoffiziell. Vielleicht wird ja irgendwann der Nachfolger mit dem Titel “Call it ! – To the beach ?“ hier abgedreht. [Ja, da lag er nun vor uns, der “Strand” , unberührt, ohne Liegestühle und die platzhaltenden Handtücher sonnenhungriger Touristen … ein echtes Kleinod.

Aber auch in dessen Nähe waren bereits Spuren menschlicher Eingriffe zu sehen… wahrscheinlich signalisieren diese Kerben dem schriftunkundigen Wanderer, er ist nur noch 2 Schritte vom Paradies entfernt. …. Oder hatte sich da ein Angler die Zeit vertrieben ? – “Ich reib’ mir jetzt die Fingernägel solange an dem Stein, bis einer anbeißt !” ]

Stephan zeigte sich auch von seiner besten Seite, um als Geheimtipp für die Besetzung gehandelt zu werden. [Also wenn das mal nicht das Ebenbild eines echten Nordmannes ist ! Schon deshalb keine Diskussionen über die Vergabe der Hauptrolle.]

Der Rest der Crew war noch sehr skeptisch über den Drehort. Michi machten die Größe der Kieselsteine Sorgen, Roberto und Sebas gingen jeder für sich in Gedanken das Drehbuch durch, Turbo scannte den Platz mit seiner Handkamera. [Jeder war mit seiner Arbeit beschäftigt, jeder wußte, hier wird Filmgeschichte geschrieben werden; keine Frage mehr nach dem Ob, nur noch über das Wann mußte sich geeinigt werden. Also kündigten alle Seminarteilnehmer kurzerhand ihre Jobs und beschäftigen sich derzeit fieberhaft mit der Umsetzung des Machwerkes. Geplanter Drehtermin: nächstes Jahr um etwa die gleiche Zeit.]

Stephan stellten sich keine Fragen, er überzeugte als gestrandeter Haudegen der Meere. Wo war eigentlich Timo? Er kümmerte sich bereits von der Hütte aus um die Boote für alle wichtigen Anlandungsszenen. [Timo wußte auch ohne Sichtung des Drehortes über alles Bescheid, es galt viel zu organisieren. Alle möglichen Leute mußten kontaktiert werden: Firmen für die obligatorischen Handwerksarbeiten, Setaufbau, catering, usw. Auch die Behörden wollen informiert sein. Das Drehgelände soll vor neugierigen Augen geschützt werden. Und und und. Ein Haufen Arbeit, der von ihm im Seminarraum in Angriff genommen wurde.]

Kulinarisch waren wir ebenfalls wieder in Höchstform. Gegrillte orientalische Hackfleischspieße und Forelle im Lauchbett setzen noch das I-Tüpfelchen auf die inoffizielle Tunhovd-Michellin-Liste drauf. [Macht eben hungrig, so eine Planung für ein Meisterwerk und der kann nur mit meisterhafter Nahrung gestillt werden.]

Cinematografisch zeigten wir einen großen Klassiker der Filmgeschichte, wo sich Männer mal so richtig verhauen – einfach so, oder weil die anderen es auch machen … wer weiß das schon genau. [“…I was the warm little center that the life of this world crowded around…“ – O-Ton des Erzählers.]

Tag 5 – Scheiden tut (nicht) weh

[Zeitig aufstehen, frühstücken, Sachen packen, alles im Seminar-Mobil verstauen und ohne die übliche Säuberung (an dieser Stelle noch einmal besten Dank an Stephan, der noch einen Tag blieb) das Areal verlassen … mit dem guten Gefühl, ein paar wunderbare Tage erlebt zu haben. To be continued …]

Ein Kommentar zu “2. Hüttenseminar im Tann zu Tunhovd

  1. ich machs kurz

    – schöner urlaub – schöner blog

    fjord war entspannung und ruhe
    – es hat mir spass mit euch burschens gemacht – freue mich schon auf hüttenseminar 3 (arbeitstitel „da geht noch was!“)

    bis denne und gruezi nach norge und b

    krengel

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