Was Neues im Osten

Moskau im Februar 2008

Vom 13.02. bis 18.02. besuchten wir Horsti in Moskau. Von Oslo flogen wir in 2.5 h nach Moskau-Domodedovo, 30 km südlich von Moskau-Stadt. Die Einreise gestaltet sich immer noch etwas schwierig: Einladung über das Internet bestellen, um damit ein Visum bei Botschaft zu erkaufen. Die ganze Willkür wird dabei offensichtlich, wenn es um die Bearbeitung der Visen geht; klar im Vorteil sind dabei die jenigen, welche keine Norweger oder Deutsche sind. Mein Arbeitskollege und Freund Taro (Schwede) musste nur 5 Arbeitstage warten, der Rest der Bande ganze 10 Arbeitstage. Eine Erklärung dazu gab es nicht. Vielleicht hat es damit etwas zu tun, dass Russland und Schweden eine gemeinsame Grenze haben; eigentlich nicht, oder?

Mit dem Bus ging es dann zur Metro Station Domodedovo. Auf dem Weg dahin versuchte ich mich an meine verschollenen Russischkentnisse zu erinnern. Vorbeiziehende Werbeplakate halfen ein wenig Ordnung in das Buchstabenchaos zu bekommen. Meine ganze Hilflosigkeit wurde aber am Ticketschalter der Metro offensichtlich. Die gute Dame hinter der Glasscheibe sprach – natürlich – kein Englisch und hatte auch eigentlich keine Lust zu arbeiten. Es gelang mir dann doch 4 Tickets zu kaufen für einen lächerlichen Preis von 2 EUR. Die Benutzung der Metro ist, so finde ich, immer noch ein Highlight in Moskau; eigentlich mehr das Eintreten und sich Aufhalten innerhalb der Metrostationen. Ich könnte schwören, dass in ein paar Jahren die ersten Untergrund-Parties in 50 m Tiefe veranstaltet werden. Die Lokationen sind einfach geeignet dafür und wer kann es sich nicht vorstellen, unter einem Mosaik aus glücklichen Sozialisten zu hämmernden Bässen zu tanzen, und später in die Metro zu steigen, um nach Hause zu fahren…

Metro01Metro02Metro03Metro04

Das Wetter zu dieser Zeit war doch recht frostig mit Temperaturen bis unter -15°C. Kompensiert wurde das ganze aber durch täglichen Sonnenschein – herrlich. Moskau ist eine Stadt, welche Bewegung verlangt; motorisiert oder zu Fuss -Stillstand gibt es de facto nicht. Dieser Maxime folgend, legten wir tagtäglich Fusswege bis zu 10 km zurück. Taxi gefällig? Ja, nee…die meiste Zeit, ausser spät abends, geht auf den Strassen rein gar nichts. Bewegungen werden staulich begrenzt, nur das Hupen der genervten (oder auch nicht?) Autofahrer zeugt von der stetigen Unruhe auf den Strassen. Also doch Stillstand? Nee, denn Unruhe ist angespannte, noch nicht entfesselte, Bewegung.

Fast schon obligatorisch erscheint der Besuch des Roten Platzes, des Kremls und der Sperlingsberge. Gerade letztere sind ein herrlicher Platz, um einen Gesamteindruck von Moskau durch die Linse aufzunehmen. Im Vordergrund ist das Fussballstadion zu sehen. Im Hintergrund (nicht zu sehen) werden Hochzeitsgesellschaften aufgefahren, damit die Paare vor Moskaus Kulisse stilgerecht in Szene gesetzt werden können.

Roter PlatzIm KremlKremlmauerBlick von den Sperlingsbergen

Marit und Sebas auf der Uliza Bolschoi OrdynkaHorst und PaalTaro, Paal und Sebas im KremlPaal, Marit und TaroPaal, Taro und SebasTaro vorm Kremleingang

Bedingt durch die eisigen Temperaturen, genossen wir natürlich die Kaffeehauskultur(en), welche es en masse in Moskau gibt. Neben den üblichen Verdächtigen, welche in allen westlichen Kulturkreisen zu finden sind, gibt es auch einheimische, mit viel Charme/Kitsch oder wahlweise Protz, aufgelegte kleine Lokalitäten. Mit ganz wenigen Ausnahmen wird aber überall geraucht, als wenn es kein Morgen geben würde. Die russische Seele neigt hier wieder zum Extremkonsum, nach dem Motto: immer zweimal mehr wie mein Nachbar.

Paal im Kaufhaus GUMMarit und Sebas im Kaufhaus GUMPaal im JazzCafe in der Naehe vom Museum TretjakowskajaKaffeehaus zum Valentinstag

Wie sieht es mit Essen, Trinken und Feiern aus? Unzweifelhaft lohnt es auch deshalb nach Moskau zu fahren. Die post-sowjetische Küche ist genauso gut wie die sowjetische Küche – Vielfallt en masse; eben, warum sollte sich daran etwas geändert haben. Empfehlenswert ist der der Besuch eines ukrainischen Restaurants. Die Kellner haben fast alle Vokuhila (Eishockeyspieler) Frisuren, die Kellnerinnen sehen toll aus und tragen ausnahmslos Blumengedecke im Haar sowie bäuerliche Kleidungen. Das macht schon etwas her. Nachdem wir den Tisch mit Speisen gefüllt hatten, wurden uns 2 Strohhüte gereicht, eine 5 l Flasche Wodka (mit darin eingelegten Knoblauch) auf den Tisch gestellt, und ein netter Vokuhilamann forderte uns auf zu lächeln; so werden Gruppenfotos gemacht, die später an eine glückliche Kundschaft erinnern. Nett, oder…?

Einkaufen? Tempel, Festungen mit Essen? Seht selbst.

Einkaufstempel1Einkaufstempel2Schokolade im Einkaufstempel

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3 Kommentare zu “Was Neues im Osten

  1. mensch sebas, moskau scheint sich ja echt zu lohnen – muss ich mir auch mal anschauen.
    alles dabei – sehenswürdigkeiten, essen und trinken – und auch noch untergrund.
    musstet ihr den wodka beim ukrainer trinken, oder war der nur fürs bild?

    gruß an die leber

    krengel

    ps: schicke mützen habt ihr.

  2. Den Wodka mussten wir beim Ukrainer nicht trinken, der war wirklich nur fürs Bild.

    Besonders empfehlenswert ist ein Besuch des Theaters. Wir hatten uns die Nussknackersuite angeschaut; ein ganz hervorragendes Stück Kultur.

    Sebas

  3. Meinem nickname die Ehre zu erweisen 😉 :

    das Elend der Stadt (Abertausende die unter der Armuts-
    grenze leben … vegetieren) wäre eine Erwähnung wert
    (Moskau: Stadt extremer Gegensätze) gewesen …

    und das sacht eener, der noch nie da war.

    Ansonsten wieder ein lesenswerter Beitrag.

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